Hauptseminar: Verdienst und Leistungsgerechtigkeit - Details

Hauptseminar: Verdienst und Leistungsgerechtigkeit - Details

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Allgemeine Informationen

Veranstaltungsname Hauptseminar: Verdienst und Leistungsgerechtigkeit
Veranstaltungsnummer 04 01 02 0003
Semester SS 2026
Aktuelle Anzahl der Teilnehmenden 12
Heimat-Einrichtung Philosophie mit Schwerpunkt Ethik
beteiligte Einrichtungen Philosophie
Veranstaltungstyp Hauptseminar in der Kategorie Lehre
Nächster Termin Dienstag, 14.04.2026 17:30 - 19:00, Ort: 2117 Geb. D (35 Pl.) [PhilSoz]
Veranstaltung findet in Präsenz statt / hat Präsenz-Bestandteile Ja
Hauptunterrichtssprache deutsch

Studienbereiche

Modulzuordnungen

Kommentar/Beschreibung

Die Idee, dass Menschen je nach ihrer persönlichen Leistung unterschiedlich behandelt, insbesondere unterschiedlich entlohnt werden sollen, gehört für die meisten Menschen zum Selbstverständlichen. So würden es wohl die meisten als ungerecht empfinden, wenn alle gleich entlohnt werden - egal ob Vollzeit- oder Teilzeitarbeit, viel oder wenig Verantwortung, lange, schwierige Ausbildung oder Hilfsarbeit. Dennoch hat die Idee einer Meritokratie - einer Gesellschaft, in der alle nach Leistung und Verdienst beurteilt werden - gerade vonseiten der Philosophie viel Kritik erfahren, z.B. von Stefan Gosepath, Michael Sandel oder Iris Marion Young, die jeweils argumentieren, dass das Ideal einer Leistungsgesellschaft - ursprünglich ein egalitäres, modernes Ideal, das sich gegen Adels- und Abstammungsprivilegien formiert hat - heute eine gerechte Gesellschaft untergräbt, das Gemeinwohl zerstört oder Unterdrückungsstrukturen fördert. Einer der wohl international prägendsten politischen Philosophen des letzten Jahrhunderts, John Rawls, hat die Ableitung von Ansprüchen aus besonderen Leistungen grundsätzlich als ungerecht ausgewiesen, da Leistungen - auch die bloße Fähigkeit, sich anzustrengen - immer schon von ungleich verteilten, unverdienten natürlichen Anlagen bestimmt wird. Diese sind moralisch zufällig und gehören nicht zu den wesentlichen Eigenschaften der Person, auf die sich Gerechtigkeitsgrundsätze gründen dürfen. Diese einflussreiche Argumentation wurde in jüngerer Zeit insbesondere von Thomas Mulligan in seiner Verteidigung meritokratischer Gerechtigkeit hinterfragt. Er koppelt das Ideal der leistungsgerechten Behandlung und Entlohnung aber an umfangreiche Maßnahmen zur Herstellung von Chancengleichheit, durch die er viele der kritischen Einwände zu entkräften versucht.
In diesem Seminar werden unterschiedliche Positionen sowohl für und wider ein Ideal von Leistungsgerechtigkeit kennengelernt und kritisch analysiert. An ein Studium beispielhafter Grundlagentexte - davon auch viele in englischer Sprache - schließen sich intensive Gruppendiskussionen an.