Hauptseminar: Theodor Lessing (1872-1933): Unheilsprophet, Kulturkritiker, Ökophilosoph und Störenfried - Details

Hauptseminar: Theodor Lessing (1872-1933): Unheilsprophet, Kulturkritiker, Ökophilosoph und Störenfried - Details

Sie sind nicht in Stud.IP angemeldet.

Allgemeine Informationen

Veranstaltungsname Hauptseminar: Theodor Lessing (1872-1933): Unheilsprophet, Kulturkritiker, Ökophilosoph und Störenfried
Veranstaltungsnummer 016
Semester SS 2026
Aktuelle Anzahl der Teilnehmenden 0
Heimat-Einrichtung Philosophie mit Schwerpunkt analytische Philosophie und Wissenschaftstheorie
beteiligte Einrichtungen Philosophie
Veranstaltungstyp Hauptseminar in der Kategorie Lehre
Vorbesprechung Montag, 13.04.2026 10:00 - 11:30
Nächster Termin Montag, 13.04.2026 10:00 - 11:30, Ort: (WZU Geb. U, Raum 101)
Leistungsnachweis Prüfungsform/Scheinerwerb: entsprechend der jeweiligen Prüfungsordnung
Veranstaltung findet in Präsenz statt / hat Präsenz-Bestandteile Ja
Hauptunterrichtssprache deutsch
Literaturhinweise Dieter Thomä: Puer robustus, stw
Köller: Narrative Formen der Sprachreflexion
Die Werke von Theodor Lessing sind überwiegend online über den opac verfügbar.

Räume und Zeiten

(WZU Geb. U, Raum 101)
Montag, 13.04.2026 10:00 - 11:30
Donnerstag, 25.06.2026 - Freitag, 26.06.2026 09:30 - 17:00

Studienbereiche

Modulzuordnungen

Kommentar/Beschreibung

Der Philosoph Theodor Lessing war das, was man als einen Störenfried bezeichnen könnte. Er war ein Kritiker des Krieges, ein Kritiker des technizistischen Fortschrittsdenkens und ließ sich auch zu politischen Fragen aus. So äußerte er z.B. Kritik am Präsidenten Hindenburg und zog sich damit den Haß der Nationalsozialisten zu. Er war Prozessbeobachter beim Prozess gegen den Serienmörder Haarmann und verzichtete nicht darauf, die problematische Rolle der Polizei bei den Verbrechen aufzudecken, womit er sich ebenfalls viele Feinde machen. Er musste an der Technischen Hochschule Hannover nach antisemitisch motivierten Protesten gegen ihn auf die Ausübung seiner Lehrtätigkeit verzichten und floh nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler nach Tschechien, nach Marienbad, wo er nach einer von rechten Medien veranstalteten regelrechten Hetzjagd am 30. August 1933 von drei nationalsozialistischen Attentätern ermordet wurde. Diese flohen nach Deutschland, wo sie von der SA mit neuen Identitäten versorgt wurden. Nur einer der Attentäter wurde später zur Verantwortung gezogen.
Doch nicht nur als ein frühes Opfer nationalsozialistischer Verfolgung auf tschechischem Boden verdient der Denker unsere Aufmerksamkeit. Theodor Lessing hatte etwas zu sagen. Der jüdische Denker kann der Lebensphilosophie zugeordnet werden. Er ist zudem neben Klages einer der ersten Denker, der konkret zu lokalen und globalen ökologischen Problemen gearbeitet hat. Seine Arbeiten zur globalen Naturzerstörung, zum Lärm, aber auch seine Betrachtungen von Tieren, Pflanzen und den Elementen machen ihn zu einem äußerst bedeutenden, kaum beachteten Ausgangspunkt auch eines aktuellen Philosophierens. Wissenschaftsphilosophisch überzeugt Lessing durch seine Kritik am historischen Denken, die Motive Nietzsches, an dem er sich auch sonst orientiert, radikalisiert.
Lessing fasziniert zudem durch seine fast verstörend weitsichtigen und genauen Prophezeiungen. Er sah im Reichspräsidenten Hindenburg schon frühzeitig einen Übergang zu einem radikalen Tyrannen und warnte zu einer Zeit, als nicht einmal die akademische Biologie das Thema auf dem Schirm hatte, vor der regionalen und globalen Naturzerstörung. Auch seinen eigenen Tod sah er voraus.
Lessing ist einzuordnen als ein puer robustus im Sinne von Dieter Thomä, als Störenfried, als einer, nicht ganz dazugehört, sondern der an der Schwelle steht und von dort Dinge wahrnehmen kann, die die Insider nicht wahrnehmen können.
Das Seminar ist in besonderer Weise für Studierende, die sich für deutsch-jüdische Themen interessieren geeignet sowie für solche, die auf der Suche nach einem Promotionsthema, einem Masterarbeitsthema oder eventuell einem Bachelorarbeitsthema sind, da zu Lessing bislang kaum geforscht wurde. Möglicherweise wird mit der Universitätsbibliothek eine kleine Lessing-Ausstellung erarbeitet.

Inhalte, die bearbeitet werden können:
Das Konzept des Störenfrieds bei Dieter Thomä
Lessings Biographie
Bibliographie zu Lessing
Feindliche Zwillinge: Lessing und Klages
Lessing gegen Thomas Mann
Lessing gegen den Lärm
Lessing gegen Justiz und Polizei (der Fall Haarmann)
Lessing gegen Hindenburg
Antisemitisches bei Lessing
Lessings Nietzsche
Lessings Pflanzen, Lessings Tiere
Elementendichtung bei Lessing
Lessings Kritik des historischen Denkens und Darstellens und ihre Bedeutung
Lessings Ethik: ‚Mindere den Schmerz!‘

Anmelderegeln

Diese Veranstaltung gehört zum Anmeldeset "SoSe 2026 Zeitgesteuerte Anmeldung".
Folgende Regeln gelten für die Anmeldung:
  • Die Anmeldung ist möglich von 02.03.2026, 00:00 bis 13.04.2026, 23:59.