Seminar: Epistemische Ungerechtigkeit - Details

Seminar: Epistemische Ungerechtigkeit - Details

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Allgemeine Informationen

Veranstaltungsname Seminar: Epistemische Ungerechtigkeit
Veranstaltungsnummer 04 01 02 0002
Semester SS 2026
Aktuelle Anzahl der Teilnehmenden 24
erwartete Teilnehmendenanzahl 30
Heimat-Einrichtung Philosophie mit Schwerpunkt Ethik
beteiligte Einrichtungen Philosophie
Veranstaltungstyp Seminar in der Kategorie Lehre
Nächster Termin Mittwoch, 15.04.2026 15:45 - 17:15, Ort: 2117 Geb. D (35 Pl.) [PhilSoz]
Veranstaltung findet in Präsenz statt / hat Präsenz-Bestandteile Ja
Hauptunterrichtssprache deutsch

Studienbereiche

Modulzuordnungen

Kommentar/Beschreibung

Der Begriff der epistemischen Ungerechtigkeit verbindet philosophische Teilbereiche, die traditionell getrennt wurden: Ethik und politische Philosophie als Themengebiete der praktischen Philosophie einerseits – und andererseits Erkenntnistheorie, welche traditionell der theoretischen Philosophie zugeordnet wird. Es scheint, als könne Erkenntnistheorie in der Regel unabhängig von ethischen Fragen wie Gerechtigkeit, Respekt vor Personen oder ethischen Tugenden betrieben werden. Die Frage nach der Wahrheitsfindung und richtigen Erkenntnis und die Frage, mit welchen Einstellungen wir anderen Menschen begegnen, scheinen zunächst einmal völlig unterschiedliche Fragen.
Im Gegensatz zu dieser in vielen Bereichen der analytischen Philosophie gängigen Trennung zwischen theoretischer und praktischer Philosophie gibt es eine andere große Tradition, die Wissen als Spiegel von Machtverhältnissen und sozialen Diskursen betrachtet. Diese Tradition wird oft mit dem Label „Postmodernismus“ versehen und besonders mit Foucault in Verbindung gebracht. Demzufolge gibt es keine objektiven Wahrheiten, sondern nur sozial dominierende Perspektiven und Perspektiven, die sozial ausgeschlossen sind und daher als irrational oder falsch angesehen werden. Eine Analyse von Wissensstrukturen im Lichte sozialer Verhältnisse hat große Hoffnungen, insbesondere für den Feminismus oder den Antirassismus, geweckt. Der den sogenannten „postmodernen“ Theorien inhärente Relativismus wird mittlerweile aber von vielen eher kritisch gesehen.
Miranda Fricker, deren Arbeit in diesem Seminar vertieft wird, hat einen Vorschlag, wie man zwischen zwei Gegensätzen vermitteln kann: dem Glauben, dass es objektive Wahrheiten über die Welt gibt – und dem Bewusstsein, dass unsere Sicht geprägt und oft verzerrt wird durch Machtstrukturen und vorherrschende soziale Vorstellungen. Die von Fricker in ihrem Buch „Epistemische Ungerechtigkeit. Macht und die Ethik des Wissens“ (C.H. Beck 2023) vorgestellten zwei Formen der epistemischen Ungerechtigkeit haben eine breite Debatte angestoßen, die Relevanz für alle Gesellschaftsbereiche haben, in denen Menschen aufgrund von Wissen beurteilt werden oder Aussagen von Menschen aufgenommen und interpretiert werden, z.B. im Rechtswesen, im Bildungssystem, in der Medizin, in der Psychiatrie, in der Pflege von Menschen mit Einschränkungen u.v.m.
In diesem Seminar sollen neben Frickers Ausgangsidee auch einige kritische Weiterentwicklungen zur Debatte der epistemischen Ungerechtigkeit kennengelernt werden, sowie Schlaglichter auf mögliche Anwendungen in verschiedenen Gesellschaftsbereichen und Fachdisziplinen geworfen werden. Es kommen deutsche und englische Textgrundlagen vor.