Vorlesung: Rationalität, Ökonomie und Moral - Details

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Allgemeine Informationen

Veranstaltungsname Vorlesung: Rationalität, Ökonomie und Moral
Veranstaltungsnummer 04 01 02 0001
Semester SS 2026
Aktuelle Anzahl der Teilnehmenden 12
Heimat-Einrichtung Philosophie mit Schwerpunkt Ethik
beteiligte Einrichtungen Philosophie
Veranstaltungstyp Vorlesung in der Kategorie Lehre
Nächster Termin Dienstag, 14.04.2026 14:00 - 15:30, Ort: 2106 Gebäude D (Hörsaal)
Veranstaltung findet in Präsenz statt / hat Präsenz-Bestandteile Ja
Hauptunterrichtssprache deutsch

Modulzuordnungen

Kommentar/Beschreibung

Liberalismus, Individualismus und den eigenen Nutzen maximierende Rationalität können als einflussreiche Paradigmen des neuzeitlichen Menschen- und Gesellschaftsbilds gelten. Insbesondere die Wirtschaftswissenschaften, oft auch unser gängiges Verständnis von wirtschaftlichem Handeln - manchmal sogar Handeln überhaupt - bauen auf die Idee auf, dass der Mensch ein eigeninteressiertes Wesen - ein homo oeconomicus - ist. Die Philosophie hat dieses Bild aber seither auch immer wieder in Frage gestellt oder modifiziert. Bedeutende zeitgenössische Beiträge an der Schnittstelle von Philosophie und Wirtschaftswissenschaften zeigen Grenzen der individuellen Nutzen- oder Präferenzmaximierung auf und weisen Wege, wie Zusammenleben besser reguliert werden kann.
In dieser Vorlesung werden in einem ersten Teil historische Vordenker der Ideen des Liberalismus, des Individualismus und der eigeninteressierten Rationalität eingeführt, insbesondere Thomas Hobbes, John Locke, John Stuart Mill und Adam Smith. Dabei wird auch die Komplexität dieser Denker gezeigt und Missverständnissen vorgebeugt, die oftmals in der gängigen Inanspruchnahme dieser Denker durch zeitgenössische wirtschaftsliberale Positionen zu finden sind - man denke zum Beispiel an die berühmte Theorie von der „unsichtbaren Hand“ des Marktes von Adam Smith oder die Theorie des Privateigentums von John Locke.
Der zweite Teil der Vorlesung behandelt das Verhältnis von Rationalität und Moral und stellt Ansätze vor, die das Bild von eigeninteressierter Rationalität im Zuge einer Theorie sozialer Evolution weiterentwickeln, entscheidend ergänzen oder modifizieren (z.B. David Gauthier, Robert Sugden oder Raimo Tuomela).
Im dritten Teil der Vorlesung schließlich wird das Verhältnis von Ökonomie und Moral beleuchtet. Es werden sowohl die Argumente und Denkweisen von Verfechtern des freien Marktes, wie Milton Friedman oder F.A. von Hayek, analysiert als auch entwicklungs- und gemeinwohlorientierte Ansätze kennengelernt - z.B. das Konzept der „Tragik der Allmende“ und die Idee von öffentlichen Gütern von Elinor Ostrom, die Kritik an präferenzorientierten Wohlfahrtsbegriffen und der Fähigkeitenansatz von Amartya Sen oder die Idee „Nudging“ zu besserem Verhalten von Richard Thaler und Cass Sunstein.