Seminar: Sozialkritik und sozialer Wandel - Details

Seminar: Sozialkritik und sozialer Wandel - Details

Sie sind nicht in Stud.IP angemeldet.

Allgemeine Informationen

Veranstaltungsname Seminar: Sozialkritik und sozialer Wandel
Veranstaltungsnummer 04 01 02 0004
Semester SS 2026
Aktuelle Anzahl der Teilnehmenden 24
Heimat-Einrichtung Philosophie mit Schwerpunkt Ethik
beteiligte Einrichtungen Philosophie
Veranstaltungstyp Seminar in der Kategorie Lehre
Nächster Termin Mittwoch, 15.04.2026 11:45 - 13:15, Ort: 2105 Geb. D (44 Pl.) [PhilSoz]
Veranstaltung findet in Präsenz statt / hat Präsenz-Bestandteile Ja
Hauptunterrichtssprache deutsch

Studienbereiche

Modulzuordnungen

Kommentar/Beschreibung

Gesellschaftliche Umbrüche und Krisen stellen immer wieder aufs Neue grundlegende ethische und lebenspraktische Konzepte in Frage - zum Beispiel Konzepte, die unsere Beziehungen zu anderen regeln, wie das Konzept der Ehe oder der Familie, oder auch Konzepte, die unser Selbstverständnis und unsere gesellschaftliche Teilhabe entscheidend prägen, wie z.B. das Konzept der Arbeit.
Ein Ansatz der Philosophie, der sich als kritische Theorie versteht, hat dabei immer wieder Versuche geliefert, sozialen Wandel nicht nur zu verstehen und zu begleiten, sondern begriffliche Kritikinstrumente auch dazu zu nutzen, Wandel aktiv herbeizuführen, bzw. Notwendigkeiten und Möglichkeiten von Veränderung zu erkennen und durch Begriffs(um)bildung die Gesellschaft mitzugestalten.
Gleichzeitig wurde dieser gesellschaftskritische Anspruch an die Philosophie auch oft kritisiert. Zum einen kann in Frage gestellt werden, ob die hohe Warte der Philosophie - insbesondere der Philosophie als akademischer Disziplin - geeignet ist für diese Aufgabe. Zum anderen kann auch die Idee sozialen Fortschritts selbst problematisiert werden. Wer bestimmt, was fortschrittlich ist? Gibt es dafür objektive Maßstäbe? Oder ist der Begriff einer fortschrittlichen Gesellschaft - im Gegensatz zu einer rückschrittlichen - vielmehr eine Anmaßung oder sogar ein Unterdrückungsinstrument?
Die Philosophin Amy Allen problematisiert das kolonialistische Erbe des Fortschrittsbegriff, die Philosophin Rahel Jaeggi entwirft eine Konzeption von Fortschritt und Regression, die gängigen Kritiken standzuhalten versucht. In diesem Seminar werden insbesondere Jaeggis Werke "Kritik von Lebensformen" (Suhrkamp 2013) und „Fortschritt und Regression“ (Suhrkamp 2025) vertieft studiert. Auszüge von Amy Allens „The End of Progress: decolonizing the normative foundations of critical theory“ (Columbia University Press 2016) und weitere Auszüge aus dem Bereich der kritischen Theorie werden hinzukommen. Außerdem soll ein weiterer Versuch, die Philosophie als sozialkritisches Werkzeug zu schärfen, kennengelernt werden. Anhand von Aufsätzen aus Sally Haslangers "Der Wirklichkeit widerstehen" (Suhrkamp 2021) soll deutlich werden, wie Haslanger metaphysische Analyse zur Aufdeckung sozialer Konstruktion, die sich als natürliche Wirklichkeit tarnt, nutzbar machen will.
Neben intensivem Textstudium sollen in diesem Seminar besonders auch kritische Diskussionen im Vordergrund stehen. Der allergrößte Teil der Seminarliteratur ist auf Deutsch, wenige englische Texte können aber vorkommen.