Vorlesung: Ethik in Deutschland 1840-1933 - Details

Vorlesung: Ethik in Deutschland 1840-1933 - Details

Allgemeine Informationen

Veranstaltungsname Vorlesung: Ethik in Deutschland 1840-1933
Veranstaltungsnummer 011
Semester WS 2026/27
Aktuelle Anzahl der Teilnehmenden 18
Heimateinrichtung Philosophie mit Schwerpunkt analytische Philosophie und Wissenschaftstheorie
Beteiligte Einrichtungen Philosophie
Veranstaltungstyp Vorlesung in der Kategorie Lehre
Nächster Termin Dienstag, 20.10.26, 10:00 - 11:30 Uhr WZU Raum 101 (Geb. U)
Teilnehmende Für Hauptfach Philosophie und Ueth
Leistungsnachweis Prüfungsform/Scheinerwerb: entsprechend der jeweiligen Prüfungsordnung
Veranstaltung findet in Präsenz statt / hat Präsenz-Bestandteile Ja
Hauptunterrichtssprache deutsch

Räume und Zeiten

WZU Raum 101 (Geb. U)

  • Dienstag, 10:00 - 11:30, Wöchentlich (ab dem 20.10.26)

Modulzuordnungen

Kommentar/Beschreibung

Das Jahrhundert, das auf Hegels Tod im Jahre 1831 folgte und das mit dem durch den Nationalsozialismus unterbrochenen Beginn der philosophischen Moderne in den 1930er Jahren endet, gilt allgemein als eine Zeit, die verglichen mit den heroischen Jahrzehnten zwischen dem späten 18. und dem frühen 19. Jahrhundert, in denen Kant, Fichte, Hegel und Schelling wirkten, gewöhnlich als relativ profillos. Wo diese Zeit überhaupt in der akademischen Lehre betrachtet wird, konzentriert man sich auf jene Autoren, die auf das 20. und 21. Jahrhundert besonders stark einwirkten wie Marx, Nietzsche, Dilthey oder Frege.
In der Vorlesung soll diese gewöhnliche philosophiehistorische Sichtweise infrage gestellt werden. Das 19. und das frühe 20. Jahrhundert wird sich ganz im Gegenteil als eine besonders kreative Zeit erweisen, bedingt auch durch den Umstand, dass sich in genau jener Zeit die Philosophie in besonders starker Weise durch den Aufstieg der Naturwissenschaften herausgefordert sah. Dies gilt auch und insbesondere in der praktischen Philosophie.

Das ethische Denken reagierte auf die Herausforderungen aus den Naturwissenschaften (zum Beispiel durch den Darwinismus), aber auch auf die Erfahrung des Zusammenbruchs des deutschen Idealismus mit einer Fülle neuer Ansätze, welche vor allen Dingen auch naturwissenschaftliche Ergebnisse auf eine neue Art ernst nahmen. Nahezu alle Positionen die in der modernen Ethik vertreten werden, haben ihre Wurzeln in dieser Zeit. Dies gilt insbesondere auch für Positionen der Umweltethik und der Tierethik. Die Vorlesung will mit Denkern bekannt machen, die entweder wenig bekannt sind oder deren ethische Werke meist in fragwürdiger Form präsentiert werden. So zeigt sich die betrachtete Geschichtsepoche als außergewöhnlich produktiv und weiterführend, zugleich können moderne ethische Positionen in besserer Art und Weise historisch verankert werden als dies bislang der Fall war.
Wir beschränken uns auf Positionen deutschsprachiger oder deutsch schreibender Autoren, was keineswegs Aus- und Seitenblicke auf Einflüsse aus und Wirkungen der behandelten Autoren in anderen europäischen Ländern ausschließt. Dabei soll jede Vorlesungsstunde einem Autor (bzw. leider nur einmal: einer Autorin) gewidmet werden. Gleichgewichtig wird dabei auch die Biographie präsentiert, um den Kontext der jeweiligen Positionen besser verstehen zu können.
Wir betrachten zunächst Schopenhauers Mitleidsethik, gehen von dort zur dialogischen Ethik Feuerbachs, betrachten Max Stirners beinahe existentialistische Position, gehen auf Fechners Gedanken zur Ethik der Pflanzen ein; befassen uns mit Hermann Joseph Aloys Körners Natur-Ethik (wobei auch auf die Geschichte des Natur-Schutzes in Deutschland eingegangen wird), untersuchen Nietzsches Ethik der Erde und seine Ethik des Übermenschen; betrachten Wilhelm Sterns einzigartige Bemühung um eine Ethik, die auch die Tiere umfasst (mit Seitenblicken z.B. auf die „Thier-Ethik“ Bregenzers), gehen auf die Ethik Hermann Cohens ein, der eine neue Tugendlehre präsentiert; betrachten die Ethik Eduard von Hartmanns, die einen enormen Einfluss im gesamten 19. uind frühen 20. Jahrhundert ausübte; gehen am Beispiel von Rosa Luxemburgs „Ethik des Andersdenkenden“ auf Formen marxistisch-feministischer Ethik ein, studieren am Beispiel von Max Scheler und Aurel Kolnai die Leistungsfähigkeit der phänomenologischen Methode in der Ethik, besprechen die ethischen Überlegungen Albert Schweitzers, und schließen mit der Freiburger Dissertation über das „Wesen der Verantwortung“ von Wilhelm Weischedel.
Dabei werden stets auch die Rezeptionen beachtet, z.B. bei Nietzsche (hier gehen wir auf André Gide und Albert Camus ein) oder bei Feuerbach (hier wäre Martin Bubers dialogische Ethik zu nennen).
Die Vorlesung wird auch Anregungen für Forschungsthemen bereithalten.

Da nur ein rudimentäres Skript bereitgehalten wird, ist Präsenz Pflicht.

Anmelderegeln

Diese Veranstaltung gehört zum Anmeldeset "WS 2627 Zeitgesteuerte Anmeldung".
Folgende Regeln gelten für die Anmeldung:
  • Die Anmeldung ist möglich ab 01.09.2026, 00:00.